Stärker, Explosiver, Belastbarer im Handball.
Kraft- und Athletiktraining schafft die körperliche Grundlage für explosive Antritte, höhere Sprünge, kontrollierte Richtungswechsel und robuste Zweikämpfe.
Handball Athletiktraining
Krafttraining im Handball
Handball stellt hohe körperliche Anforderungen.
Du musst beschleunigen, abbremsen, springen, landen, werfen, Richtungen wechseln und dich im Zweikampf behaupten – häufig innerhalb weniger Sekunden und immer wieder über das gesamte Spiel.
Gezieltes Krafttraining für Handballer schafft dafür eine wichtige körperliche Grundlage.
Dabei geht es nicht darum, einfach möglichst viel Gewicht zu bewegen oder möglichst viel Muskelmasse aufzubauen. Entscheidend ist, Kraft so zu entwickeln, dass sie deine Leistung auf dem Handballfeld unterstützt.
Richtig geplant kann Krafttraining dazu beitragen, dass du:
- mehr Kraft für explosive Bewegungen entwickelst
- schneller beschleunigen und abbremsen kannst
- deine Sprung- und Schnellkraft verbesserst
- stabiler in Zweikämpfen wirst
- Landungen und Richtungswechsel besser kontrollierst
- hohe Trainings- und Spielbelastungen besser tolerierst
Wie dein Krafttraining aussehen sollte, hängt allerdings stark davon ab, wann in der Saison du trainierst und welches Ziel aktuell im Vordergrund steht.
WARUM KRAFTTRAINING?
Handball verlangt mehr als nur Kondition
Beschleunigen, abbremsen, springen, landen, werfen und Zweikämpfe führen: Krafttraining schafft die körperliche Grundlage, um diese Aktionen leistungsfähig und kontrolliert auszuführen.
Mehr Kraft
Eine gut entwickelte Kraftbasis ist eine zentrale Voraussetzung für viele Aktionen im Handball. Sie hilft dir dabei, dich im Zweikampf besser durchzusetzen, stabiler zu bremsen und mehr Kraft in Sprünge, Würfe und Richtungswechsel zu bringen.
Dabei geht es nicht darum, einfach nur möglichst schwere Gewichte zu bewegen. Entscheidend ist, die Kraft so aufzubauen, dass sie dir auf dem Feld tatsächlich etwas bringt.
Mehr Explosivität
Im Handball entscheidet häufig nicht, wie viel Kraft du grundsätzlich hast, sondern wie schnell du sie entwickeln kannst. Genau das ist bei explosiven Antritten, Sprüngen, Richtungswechseln oder Würfen entscheidend.
Gezieltes Kraft- und Schnellkrafttraining hilft dir dabei, vorhandene Kraft schneller verfügbar zu machen und dynamische Aktionen mit mehr Geschwindigkeit und Durchsetzungskraft auszuführen.
Mehr Belastbarkeit
Eine Handballsaison bringt eine hohe Gesamtbelastung mit sich: mehrere Trainingseinheiten, Spiele, viele Sprünge, Kontakte und wiederholte explosive Aktionen.
Krafttraining kann dazu beitragen, dass dein Körper diese Belastungen besser toleriert. Muskeln, Sehnen und Gelenke werden gezielt auf wiederkehrende Kräfte vorbereitet, sodass du über längere Zeit leistungsfähig bleiben kannst.
Mehr Kontrolle
Viele entscheidende Situationen im Handball entstehen beim Abbremsen, Landen oder schnellen Wechsel der Bewegungsrichtung. Dabei muss dein Körper hohe Kräfte in sehr kurzer Zeit aufnehmen und kontrollieren.
Eine gute Kraftbasis unterstützt dich dabei, Positionen stabil zu halten, Bewegungen kontrollierter auszuführen und Kräfte gezielter aufzunehmen und weiterzugeben.
Welche Kraftfähigkeiten sind im Handball entscheidend?
Für Handballer:innen reicht es nicht, einfach nur „stärker“ zu werden. Auf dem Spielfeld muss Kraft in sehr unterschiedlichen Situationen wirken: beim ersten Schritt, im Sprung, beim Abbremsen, im Zweikampf oder bei schnellen Richtungswechseln.
Deshalb sollten im Athletiktraining mehrere Kraftfähigkeiten berücksichtigt werden, die sich gegenseitig ergänzen.
Maximalkraft
Maximalkraft beschreibt die größtmögliche Kraft, die dein neuromuskuläres System gegen einen Widerstand entwickeln kann.
Für Handballer:innen ist sie vor allem deshalb wichtig, weil sie die Basis für viele weitere Leistungsfaktoren bildet. Je größer dein Kraftpotenzial ist, desto besser sind grundsätzlich auch die Voraussetzungen dafür, Kraft schnell zu entwickeln.
Im Training wird Maximalkraft typischerweise mit höheren Lasten und vergleichsweise wenigen Wiederholungen entwickelt. Entscheidend ist dabei eine technisch saubere Ausführung und ein Trainingsaufbau, der zu deinem Leistungsstand passt.
Schnellkraft und Power
Im Handball musst du Kraft meist nicht langsam, sondern innerhalb sehr kurzer Zeit entwickeln.
Genau hier kommen Schnellkraft und Power ins Spiel. Sie sind besonders relevant für explosive Antritte, Sprünge, Richtungswechsel und Wurfaktionen.
Im Training werden dafür Bewegungen mit hoher Geschwindigkeit ausgeführt. Je nach Übung kann das mit dem eigenen Körpergewicht, Medizinbällen, Langhanteln oder anderen Widerständen erfolgen. Entscheidend ist nicht nur, dass du Kraft erzeugst, sondern dass du sie schnell erzeugst.
Exzentrische Kraft
Exzentrische Kraft ist vor allem dann relevant, wenn dein Körper Bewegungen abbremsen oder Kräfte aufnehmen muss.
Das passiert im Handball ständig: beim Landen nach einem Sprung, beim Stoppen nach einem Sprint oder beim Abbremsen vor einem Richtungswechsel.
Ein gezieltes Training dieser Fähigkeit kann dazu beitragen, hohe Kräfte kontrollierter aufzunehmen und Bewegungen stabiler zu gestalten. Deshalb sollte exzentrisches Training im Athletiktraining für Handballer:innen einen festen Platz haben.
Reaktivkraft
Reaktivkraft beschreibt die Fähigkeit, nach einer schnellen Dehnung unmittelbar wieder Kraft zu entwickeln.
Sie spielt beispielsweise bei Sprüngen, schnellen Bodenkontakten oder explosiven Richtungswechseln eine wichtige Rolle.
Im Training wird diese Fähigkeit vor allem über plyometrische Übungen entwickelt. Dazu gehören beispielsweise verschiedene Sprungformen, Hops oder reaktive Kontakte mit kurzen Bodenkontaktzeiten.
Wichtig ist dabei: Reaktivkrafttraining sollte technisch sauber, gut dosiert und passend zum aktuellen Leistungsstand eingesetzt werden.
Warum die Kombination entscheidend ist
Keine dieser Kraftfähigkeiten funktioniert isoliert.
Eine hohe Maximalkraft allein macht dich noch nicht automatisch explosiv. Schnellkraft ohne ausreichende Kraftbasis ist ebenfalls begrenzt. Gleichzeitig hilft dir Explosivität wenig, wenn du beim Landen oder Abbremsen die entstehenden Kräfte nicht kontrollieren kannst.
Genau deshalb sollte gutes Krafttraining im Handball mehrere Fähigkeiten systematisch miteinander verbinden und über die Saison hinweg unterschiedlich gewichten.
Welche Übungen eignen sich für Handballer:innen?
Die Auswahl der Übungen sollte sich immer daran orientieren, welche körperliche Fähigkeit du entwickeln möchtest und wie gut sich diese auf die Anforderungen im Handball übertragen lässt.
Das bedeutet nicht, dass jede Übung möglichst „handballspezifisch“ aussehen muss. Oft sind einfache, gut steuerbare Kraftübungen die bessere Grundlage. Entscheidend ist, dass du mit ihnen gezielt Kraft, Explosivität, Belastbarkeit und Bewegungskontrolle entwickelst.
Kniebeugen und einbeinige Beinübungen
Kniebeugenvarianten gehören zu den klassischen Übungen im Krafttraining und können auch für Handballer:innen eine wichtige Rolle spielen.
Sie eignen sich besonders, um Kraft in Hüfte, Knie und Sprunggelenk aufzubauen. Das ist relevant für Sprünge, Beschleunigungen, Landungen und viele Situationen im Zweikampf.
Ergänzend sind einbeinige Übungen wie Split Squats, Bulgarian Split Squats oder Step-ups sinnvoll. Sie ermöglichen es, Kraft und Kontrolle stärker unilateral zu trainieren und Unterschiede zwischen beiden Seiten gezielter zu adressieren.
LH Kniebeuge (Backsquat)
KH Bulgarian Split Squat
KH Aufsteiger
Kreuzheben und Hüftstreckung
Bewegungen, bei denen die Hüftstreckung im Mittelpunkt steht, sind ebenfalls ein wichtiger Bestandteil des Athletiktrainings.
Dazu gehören beispielsweise Kreuzheben, Romanian Deadlifts oder Hip-Thrust-Varianten.
Diese Übungen trainieren insbesondere die hintere Muskelkette und können dazu beitragen, Kraft für Sprintbewegungen, Sprünge und explosive Hüftstreckung aufzubauen.
Auch hier gilt: Nicht die Übung selbst macht das Training „handballspezifisch“, sondern die Art, wie sie in den gesamten Trainingsplan integriert und progressiv gesteigert wird.
Hexbar Kreuzheben
KH Rumänisches Kreuzheben
Hip Thrust, einbeinig
Drück- und Zugbewegungen für den Oberkörper
Im Handball ist der Oberkörper nicht nur für Würfe relevant. Er muss auch im Zweikampf Kräfte aufnehmen, Positionen stabilisieren und Kraft zwischen Unter- und Oberkörper übertragen.
Deshalb sollten sowohl Drück- als auch Zugbewegungen Bestandteil des Krafttrainings sein.
Mögliche Übungen sind Bankdrücken, Liegestütze, Schulterdrücken, Klimmzüge und verschiedene Ruderbewegungen.
Für die Schulter ist dabei nicht nur Kraft wichtig, sondern auch eine gute Kontrolle des Schulterblatts und eine sinnvolle Belastungssteuerung – besonders bei Spieler:innen mit hoher Wurfbelastung.
LH Flachbankdrücken
LH Bankziehen
KH Schulterdrücken, unilateral im Halbkniestand
Sprünge und plyometrische Übungen
Plyometrisches Training bildet die Verbindung zwischen Krafttraining und explosiven Aktionen auf dem Spielfeld.
Je nach Trainingsstand können einfache Sprungvarianten, Hops, Bounds, Drop Jumps oder Mehrfachsprünge eingesetzt werden.
Das Ziel ist dabei nicht, möglichst viele Sprünge zu absolvieren. Entscheidend sind Qualität, Kontaktzeiten, Sprunghöhe, Landekontrolle und die passende Dosierung.
Gerade weil Handball bereits viele Sprungbelastungen enthält, sollte zusätzliche Plyometrie gezielt eingesetzt und nicht einfach wahllos ergänzt werden.
Multidirektionale Sprünge, einbeinig
KH lateraler Sprung mit Push
Box Pogo Jumps
Übungen zum Abbremsen und für Richtungswechsel
Beschleunigen ist nur eine Seite der Medaille. Im Handball musst du Bewegungen genauso häufig wieder abbremsen und die Richtung wechseln.
Deshalb sollten Übungen zur kontrollierten Kraftaufnahme ebenfalls Bestandteil des Trainings sein.
Dazu gehören beispielsweise geplante Abbremsbewegungen, Landungen aus verschiedenen Höhen, laterale Bewegungen oder Richtungswechsel mit klar definierten Stopppositionen.
Erst wenn diese Bewegungen kontrolliert funktionieren, sollte die Geschwindigkeit und Komplexität schrittweise erhöht werden.
Box Drop mit Crossover und Antritt
Box Drop Land, lateral, einbeinig
Box Drop Land, einbeinig
Medizinballwürfe und explosive Oberkörperübungen
Für explosive Wurf- und Rotationsbewegungen eignen sich Medizinballübungen besonders gut.
Sie ermöglichen es, Bewegungen mit hoher Geschwindigkeit auszuführen und Kraft über Beine, Rumpf und Oberkörper zu übertragen.
Je nach Ziel können Rotationswürfe, Überkopfwürfe oder explosive Stöße eingesetzt werden.
Sie ersetzen kein technisches Wurftraining mit dem Handball, können aber dabei helfen, die körperlichen Voraussetzungen für explosive Aktionen zu verbessern.
Medizinball Rotational Scoop Toss
Medizinball Shot Put Throw
Medizinball Chest Pass
Die Übung allein entscheidet nicht über den Trainingseffekt
Auch eine sehr gute Übung bringt wenig, wenn sie falsch dosiert oder ohne klare Progression eingesetzt wird.
Deshalb ist entscheidend, wie viele Sätze und Wiederholungen du machst, mit welcher Intensität du trainierst und wie sich dein Training über mehrere Wochen verändert.
Wie sollte Krafttraining im Handball über die Saison geplant werden?
Krafttraining sollte im Handball nicht das ganze Jahr gleich aussehen. Trainingshäufigkeit, Volumen, Intensität und Übungsauswahl müssen sich daran orientieren, wie hoch die Belastung durch Mannschaftstraining und Spiele gerade ist.
Ein sinnvoller Jahresaufbau unterscheidet deshalb zwischen OffSeason, PreSeason und laufender Saison.
Die Saisonphase bestimmt die Trainingsplanung
Ein Trainingsplan sollte deshalb nicht nur danach ausgewählt werden, was du verbessern möchtest, sondern auch danach, wann in der Saison du dich befindest.
Ein sinnvoller Jahresverlauf kann zum Beispiel so aussehen:
OffSeason → PreSeason → InSeason
Die Inhalte verändern sich dabei Schritt für Schritt – von einer größeren Entwicklungsphase hin zu stärkerer Belastungssteuerung während der Saison.
OffSeason: Grundlagen aufbauen
Die OffSeason bietet die größte Möglichkeit, körperliche Fähigkeiten gezielt weiterzuentwickeln.
Da Mannschaftstraining und Spiele meist reduziert sind, kann der Umfang im Kraft- und Athletiktraining höher sein. Das schafft Raum, um an Kraft, Belastbarkeit und technischen Grundlagen zu arbeiten.
Typische Schwerpunkte können sein:
- Maximalkraft entwickeln
- muskuläre Defizite aufarbeiten
- Bewegungsqualität verbessern
- Belastbarkeit steigern
- erste explosive Inhalte integrieren
Die OffSeason ist deshalb nicht einfach eine Pause vom Handball, sondern eine wichtige Entwicklungsphase.
PreSeason: Kraft in handballspezifische Leistung übertragen
In der Vorbereitung steigt die Handballbelastung wieder deutlich an.
Mannschaftstraining, Testspiele und sportartspezifische Inhalte nehmen mehr Raum ein. Gleichzeitig sollte die in der OffSeason aufgebaute Kraft zunehmend in explosive und spielnahe Fähigkeiten übertragen werden.
Der Fokus verschiebt sich stärker auf:
- Schnellkraft und Power
- Sprünge und Plyometrie
- Beschleunigung und Abbremsen
- Richtungswechsel
- sportartspezifische Belastungstoleranz
Gleichzeitig muss das Volumen im Krafttraining schrittweise angepasst werden, damit sich Athletiktraining und Mannschaftstraining nicht gegenseitig behindern.
Saison: Leistung erhalten und Belastung steuern
Während der Saison verändert sich die Zielsetzung erneut.
Jetzt geht es weniger darum, möglichst große Trainingsumfänge zu absolvieren, sondern Kraft, Explosivität und Belastbarkeit über viele Wochen hinweg zu erhalten.
Trainingstage, Spieltage und Regeneration bestimmen stärker, wie viel zusätzliches Krafttraining sinnvoll ist.
Typische Ziele während der Saison sind:
- Kraft möglichst stabil halten
- Explosivität erhalten
- Ermüdung kontrollieren
- individuelle Schwachstellen gezielt bearbeiten
- Trainingsvolumen an Spielbelastung anpassen
Das bedeutet nicht, dass Krafttraining während der Saison unwichtig wird. Im Gegenteil: Gerade bei hoher Spielbelastung ist eine klare Dosierung besonders entscheidend.
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Ich bin Rehab- & Athletiktrainer und arbeite mit Sportler:innen daran, körperliche Leistungsfähigkeit gezielt weiterzuentwickeln.
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